Kurz beantwortet: Bei 400 Listings analysierst du nicht alle gleichzeitig, sondern in der Reihenfolge Umsatz × Keyword-Lücke. Zuerst kommen die Listings, die viel Umsatz tragen und bei denen wichtige Suchbegriffe auf keiner Fläche stehen. Dafür brauchst du pro Listing nur drei Ja/Nein-Prüfungen, eine Umsatzklasse und eine Multiplikation. Die Vorlage dazu steht unten, samt Rechenbeispiel.
Stand: Oktober 2026. Amazon ändert Oberflächen und Berichte regelmäßig; prüfe Menüführung und Verfügbarkeit in deinem Seller Central.
Dieser Artikel setzt voraus, dass du Keyword-Recherche grundsätzlich kennst. Es geht um die Frage, die bei großen Katalogen davor liegt: Wo fängst du an?
Was eine Keyword-Analyse pro Listing liefern muss
Damit du 400 Listings vergleichen kannst, muss jede Analyse dasselbe Ergebnis haben. Mehr als diese Bausteine brauchst du für die Priorisierung nicht:
- Ein Hauptkeyword: der Begriff, unter dem das Listing gefunden werden soll.
- Vier bis fünf Nebenkeywords: Varianten, Anwendungen, Eigenschaften, Zielgruppen.
- Eine Zuordnung zu den Flächen: Titel, Bullet Points, Beschreibung und das Feld für Suchbegriffe.
Amazon beschreibt den Ablauf im Seller-Blog als drei Stufen: Keywords finden, im Listing platzieren, Wirkung messen. Das Feld für die Backend-Suchbegriffe heißt laut Amazon-Blog (US-Oberfläche) „Generic Keyword“ und liegt im Tab „Product Details“ des Listings; in deinem deutschen Konto kann die Bezeichnung abweichen (z. B. „Suchbegriffe“). Für das Suchbegriffe-Feld empfiehlt Amazon, dort Begriffe zu ergänzen, die nicht in Titel, Bullet Points oder Beschreibung passten, und nichts zu wiederholen, was dort schon steht (Quelle 1).
Wie das Feld in Bytes gemessen wird, steht im Artikel Amazon Backend-Keywords: Bytes statt Zeichen zählen. Hier brauchst du die Byte-Regeln nicht.
Woher die Keywords kommen
Für die Priorisierung genügen wenige Quellen. Amazon nennt in seinem Seller-Blog unter anderem diese (Quelle 1):
- Die Amazon-Suchleiste: Die automatischen Vorschläge zeigen, wie Käufer formulieren.
- Product Opportunity Explorer: Daten zu Suchtrends je Produktkategorie.
- Brand Analytics: Für Marken, die im Brand Registry eingetragen sind, nennt Amazon die Berichte „Search Query Performance“, „Top Search Terms“ und „Search Catalog Performance“. Sie zeigen Suchbegriffe zu deiner Marke, beliebte Suchbegriffe im Store und welche Keywords Impressionen, Klicks und Käufe bringen.
- Listings von Wettbewerbern: Titel, Bullets und Beschreibung der Bestseller deiner Produktart.
Der Amazon-Blog, auf den wir uns hier stützen, ist amerikanisch und englischsprachig (Stand 01.10.2024). Ob und in welcher Form dir die Berichte in deinem deutschen Konto zur Verfügung stehen, siehst du in Seller Central.
Wenn du dich ausführlicher mit Wettbewerber-Begriffen beschäftigen willst: Warum man fremde Backend Keywords nicht direkt auslesen kann und was stattdessen geht, erklärt Amazon Backend Keywords auslesen. Das lassen wir hier bewusst aus.
Lücken erkennen: der Prüfweg pro Listing
Eine Lücke ist ein wichtiger Suchbegriff, der auf einer Fläche fehlt, auf der er stehen sollte. Du prüfst pro Listing drei Punkte mit Ja oder Nein. Jedes Nein zählt einen Lückenpunkt:
- Steht das Hauptkeyword im Titel?
- Kommen Haupt- oder Nebenkeywords in den Bullet Points vor?
- Steht jeder deiner Top-5-Suchbegriffe auf mindestens einer Fläche (Titel, Bullets, Beschreibung oder Suchbegriffe-Feld)? Fehlt mindestens einer vollständig, zählt das als Nein.
Das Ergebnis ist ein Lücken-Score von 0 bis 3 pro Listing. Amazon rät dazu, Keywords natürlich einzubauen und Keyword-Stuffing zu vermeiden (Quelle 1). Ein Ja bedeutet also nicht, dass du den Begriff mehrfach hineinschreiben sollst, sondern nur, dass er vorkommt.
So setzt du das in einer Tabelle für alle Listings um:
- Exportiere deine Angebote mit Titel, Bullet Points, Beschreibung und der Spalte für die Suchbegriffe (wie du dabei vorgehst, steht in Amazon Backend Keywords auslesen).
- Lege pro Listing Haupt- und Top-5-Keywords in eigenen Spalten ab. Die Top 5 bestimmst du nicht für jedes Listing einzeln, sondern pro Produktgruppe (aus den oben genannten Quellen) und nutzt sie für alle Listings der Gruppe. Pro Listing ergänzt du nur Abweichungen.
- Prüfe mit einer Textsuche-Formel je Fläche, ob der Begriff vorkommt. Beispiel für den Titel, wenn das Hauptkeyword in B2 und der Titel in C2 steht:
=WENN(ISTZAHL(SUCHEN(B2;C2));0;1)ergibt 1, wenn der Begriff fehlt (also einen Lückenpunkt). - Summiere die drei Prüfpunkte zum Lücken-Score.
Bei Wortformen und Umlauten liefert eine einfache Textsuche Fehlalarme. Rechne mit einer Nachkontrolle bei den Listings, die oben in der Liste landen. Treten mehrere deiner eigenen Listings für dieselben Suchbegriffe an, hilft Eigene Amazon Listings konkurrieren: Keywords zuordnen bei der Zuordnung.
Priorisierungs-Matrix Umsatz × Keyword-Lücke
Jetzt verbindest du beides. Du gibst jedem Listing eine Umsatzklasse und multiplizierst sie mit dem Lücken-Score:
- Umsatzklasse A (Top-Umsatz, Gewicht 3)
- Umsatzklasse B (mittlerer Umsatz, Gewicht 2)
- Umsatzklasse C (restlicher Katalog, Gewicht 1)
Priorität = Gewicht × Lücken-Score
Danach sortierst du die Listings nach Priorität und teilst sie in Wellen ein. Welle 1 bearbeitest du zuerst.
Die Schnitte zwischen A, B und C legst du selbst fest, zum Beispiel nach dem Umsatz der letzten drei Monate aus deinen Business Reports. Ein Beispiel (angenommen, nicht als Vorgabe gemeint): A sind die 20 % umsatzstärksten Listings, B die nächsten 30 %, C die übrigen 50 %. Bei 400 Listings sind das die 80/120/200 aus dem Rechenbeispiel unten.
Die Matrix bildet nur ab, ob ein Begriff vorkommt, nicht wie stark er gesucht wird. Sie liefert eine Reihenfolge als Näherung. Marge, Werbekosten oder Ranking-Abstand kannst du als zusätzliche Spalte aufnehmen; die Rechnung bleibt dieselbe.
Die Vorlage für deine Tabelle:
| ASIN | Umsatzklasse | Hauptkeyword im Titel (ja/nein) | Keywords in Bullets (ja/nein) | Top-5 auf mindestens einer Fläche (ja/nein) | Lücken-Score (0–3) | Priorität | Welle |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| B0… | A / B / C |
Rechenbeispiel mit 400 Listings
Die Werte unten sind illustrativ. Es sind weder Amazon-Daten noch SELLRZ-Daten noch Zahlen eines Kunden. Sie zeigen nur, wie die Rechnung funktioniert. Deine Verteilung sieht anders aus.
Annahme: 80 Listings in Klasse A, 120 in Klasse B, 200 in Klasse C. Nach der Prüfung verteilen sich die Lückenpunkte so:
| Klasse (Gewicht) | Listings | Lücke 0 | Lücke 1 | Lücke 2 | Lücke 3 |
|---|---|---|---|---|---|
| A (3) | 80 | 30 | 25 | 15 | 10 |
| B (2) | 120 | 40 | 40 | 25 | 15 |
| C (1) | 200 | 60 | 70 | 40 | 30 |
Priorität = Gewicht × Lücke. Daraus bilden sich vier Wellen:
| Welle | Priorität | Zusammensetzung | Listings |
|---|---|---|---|
| 1 | 6 und höher | A mit Lücke 2 (15) und 3 (10), B mit Lücke 3 (15) | 40 |
| 2 | 3 bis 5 | A mit Lücke 1 (25), B mit Lücke 2 (25), C mit Lücke 3 (30) | 80 |
| 3 | 1 bis 2 | B mit Lücke 1 (40), C mit Lücke 1 (70) und Lücke 2 (40) | 150 |
| 4 | 0 | keine Lücke (30 + 40 + 60) | 130 |
Probe: 40 + 80 + 150 + 130 = 400.

Was das Beispiel zeigt: Du beginnst mit 40 von 400 Listings, also mit einem Zehntel. Die 130 Listings ohne Lücke fasst du gar nicht an. Und ein C-Listing mit allen drei Lücken (Priorität 3) rutscht hinter ein A-Listing mit zwei Lücken (Priorität 6), obwohl es mehr Lücken hat. Das ist gewollt: Die Reihenfolge folgt dem Umsatz, den eine behobene Lücke berühren kann.
Plane den Aufwand für Welle 1 selbst, bevor du Termine zusagst: Er hängt von deinem Team und deinen Werkzeugen ab.
Umsetzen ohne Chaos
Die Matrix sagt dir, was zuerst drankommt. Wie du viele Änderungen sauber durchziehst, also in welcher Reihenfolge Titel, Bullets und Suchbegriffe angefasst werden und wie du den Überblick behältst, beschreibt Viele Amazon Listings gleichzeitig optimieren. Wenn Titel mit zu ändern sind, gibt Amazon Titel für viele ASINs auf 75 Zeichen umstellen den Ablauf für die Massenpflege vor.
Zwei Regeln für die Umsetzung:
- Pro Welle ein Änderungsdatum. Ändere Titel, Bullets und Suchbegriffe der Listings einer Welle gemeinsam und halte das Datum fest. Sonst weißt du später nicht, was gewirkt hat.
- Danach messen. Amazon nennt als Kennzahl gestiegene Verkäufe seit der Keyword-Änderung, geprüft in den Business Reports in Seller Central, und für Marken im Brand Registry den Bericht „Search Catalog Performance“ (Quelle 1). Messe erst, wenn die Änderung live ist; ein Eingereicht-Status ist noch kein Live-Nachweis.
Wo SELLRZ bei dieser Rechnung hilft
Die Tabelle schaffst du für überschaubare Kataloge allein. Bei 400 Listings wird die manuelle Prüfung der Flächen zur Fleißarbeit. SELLRZ bewertet laut Produktbeschreibung jedes Listing in Echtzeit und zeigt Optimierungspotenzial mit klaren Prioritäten. Der Listing Quality Score ist regelbasiert und bewertet den Inhalt einer Listing-Version als Prozentwert, darunter Titel, Bullet Points, Beschreibung und Backend-Keywords (Quelle 2). Chancen sind nach Potenzial sortiert. Im Free-Zugang scannt SELLRZ bis zu 1.000 Listings und findet die besten Wachstumschancen.
Deine Keyword-Auswahl und die Entscheidung, welche Welle zuerst kommt, bleiben bei dir. Die Matrix oben funktioniert mit und ohne Software.
Häufige Fragen
Bei welchen Listings lohnt eine Keyword-Analyse zuerst?
Bei Listings mit hohem Umsatz und gleichzeitig hohem Lücken-Score. Multipliziere Umsatzklasse und Lückenpunkte und arbeite die Ergebnisse von oben nach unten ab.
Wie viele Keywords brauche ich pro Listing?
Für die Priorisierung genügen ein Hauptkeyword und vier bis fünf Nebenkeywords. Wie viele Nebenkeywords sinnvoll sind, hängt vom Produkt ab. Lege die Zahl einmal fest und nutze sie für alle Listings.
Reicht die Amazon-Suchleiste als Quelle?
Sie zeigt dir, wie Käufer formulieren, und ist laut Amazon ein einfacher Startpunkt (Quelle 1). Für Mengen- und Konversionsdaten brauchst du zusätzliche Quellen, etwa Brand Analytics, soweit deine Marke Zugriff hat.
Muss ich jedes Listing neu analysieren?
Nein. Listings ohne Lücke (Welle 4) lässt du zunächst unberührt. Prüfe sie erneut, wenn sich Produkt, Saison oder Suchverhalten ändern.
Wie messe ich, ob die Änderung geholfen hat?
Vergleiche Verkäufe vor und nach der Änderung in den Business Reports und, wenn verfügbar, die Kennzahlen im Bericht „Search Catalog Performance“ (Quelle 1). Notiere das Änderungsdatum pro Welle.
Quellen
- Amazon: Improve product visibility through effective Amazon keyword research, sell.amazon.com, 01.10.2024, https://sell.amazon.com/blog/amazon-keyword-research (Volltext gelesen, abgerufen 25.10.2026). US-Blog, englisch.
- SELLRZ Wissensbasis: Listing Quality Score (Abruf 24.10.2026); SELLRZ-Seiten sellrz.io/free-access, sellrz.io/support.
Nächster Schritt
Prüfe zuerst, wo bei deinem Katalog die größten Lücken liegen. Starte den Listing-Check und scanne deine Listings im Free-Zugang, oder baue die Matrix aus diesem Artikel in deiner Tabelle nach.
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